Optische Telegrafenlinie in Preußen

SandraHavelland, Wandern0 Kommentare

Dass Du noch nie etwas von der Preußisch – Optischen Telegrafenlinie gehört hast, liegt daran, dass auch in früheren Zeiten das Moderne eine schnelllebige Sache war. Bereits 1849, nach knapp 20 Jahren Betrieb, war diese Kommunikationstechnik wieder out.

Der Anfang der modernen Kommunikation

Dabei war die Erfindung der optischen Telegrafie geradezu ein Quantensprung im Vergleich zur bis dahin üblichen Nachrichtenübermittlung durch berittenen Boten. Eine Nachricht benötigte zu Pferde ganze 3 Tage von Berlin nach Koblenz, das damals ebenfalls zu Preußen gehörte! Nach der Fertigstellung der optischen Telegrafenlinie 1832 dauerte die Übertragung, je nach Wetterlage, etwa eine Stunde. Wir sprechen hier immerhin von 588 km Strecke. Damit war die Telegrafenlinie seinerzeit die Längste Europas.

Signalanlage der optischen Telegrafie

Nachbau einer Modell-signalanlage mit Infotafel an der Station Nr. 6

Optisches LTE ist Staatsangelegenheit

Das Ganze war eine aufwendige Angelegenheit. Daher scheute der König zunächst den Bau der optischen Telegrafenlinie. Als jedoch 1830 die Provinzen am Rhein im Schatten der französischen Julirevolution  sich offenkundig nicht besonders gefolgstreu zeigten, stand der König nachrichtenmäßig auf der Leitung. So hielt der Souverän es für geboten, sein Machtwort möglichst schnell an potenziell abtrünnige Preußen verkünden zu können und erteilte den Befehl zum Bau. Und wen wundert es da, dass die neue Leitung ausschließlich zur Übermittlung von militärischen und staatlichen Angelegenheiten genutzt wurde?

Schnelles LTE für den König

Nun wurde also doch gebaut. 62 Stationen zwischen Berlin und Koblenz, in Sichtweite voneinander, meist auf Anhöhen. Auf dem Dach jeder Station befand sich eine Signalanlage mit sechs beweglichen Flügeln. Bestimmten Flügelstellungen wurden Buchstaben, Zahlen und andere Zeichen zugeordnet und konnten so von Station zu Station weitergeleitet werden. Jede Station musste von Telegrafisten besetzt sein, deren einzige Aufgabe es war die Nachrichten an die nächste Station weiterzuleiten. Sie hatten auch keine Ahnung was sie da übermittelten, denn die Nachrichten wurden vor dem Versand verschlüsselt und konnten erst am Ende wieder entschlüsselt werden. Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist also auch ein alter Hut. An dieser optischen High-Speed-Leitung hatte der König nur zeitlich begrenzten Spaß, denn parallel schritt die technische Entwicklung voran. Elektromagnetische Telegrafie oder auch Morsetelegrafie hieß nun der neue Hype, der die Optische Telegrafie zum Erliegen brachte.

Signalanlage optische Telegrafie Zeichnung

Schnittzeichnung Signalstation von einer Infotafel der Station Nr.6

Und nun?

Die Stationen verfielen oder wurden abgetragen und so erinnern heute lediglich Flurbezeichnungen mit „Telegrafen“ oder „Station“ im Namen an die alten Zeiten.
Hier ein Überblick über die Stationen, die sich auf dem heutigen Berliner bzw. Brandenburger Gebiet befanden.

In jüngster Zeit erinnert man sich wieder an die Götterdämmerung der Nachrichtenübermittlung und hat die ehemaligen Stationspunkte mit Infotafeln und Gedenkobjekten aufgehübscht. Viele der Stationen sind heute beliebte Haltepunkte für Radfahrer und Ausflügler. In erster Linie wegen der zu erwartenden schönen Aussicht von den Anhöhen und in der Annahme, dass eine Bank zum Genießen der selbigen bereit steht. Und in der Tat lässt es sich hier gut pausieren, oft mit herrlicher Rundumsicht.
In Sachsen-Anhalt ist man schon ein Stück weiter. Alle Stationen sind entlang eines Telegrafenradweges erschlossen. Der engagierte Verein bemüht sich die Idee des Radweges in die anderen fünf Bundesländer zu exportieren, durch die die Linie heute führt. Eine erste Erweiterung ist in diesem Jahr ins Brandenburgische gelungen. In der Stadt Brandenburg wurde ein erster Wegweiser mit offizieller Wegmarkierung angebracht. Weitere sollen folgen.
https://www.telegraphenradweg.de/startseite.html

Im Jahr 2016 haben eifrige Schenkenberger ihre optische Telegrafenstation Nr. 6 dem Dunkel der Geschichte entrissen und für die Allgemeinheit zugänglich gemacht.

HIER könnt ihr lesen, wie ich den Telegrafenrundweg getestet habe.

Teile diesen bericht

Wanderjenosse Sandra
Sandra

Sandra

Ich bin in Brandenburg aufgewachsen und liebe die Märkische Landschaft und ihre Menschen. Ich bin Immer auf der Suche nach den schönsten und abgelegensten Winkeln zum Wandern und darüber Schreiben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.