Märchenwald Dornswalde – ein Wintermärchen

SandraAusflug, Fläming, Wandern0 Kommentare

Kiefer im Märchenwald Doenswalde

Im Märchenwald Dornswalde findet sich ein Waldstück mit so merkwürdig gewachsenen Krüppelkiefern, dass ich sie euch unbedingt vorstellen möchte. Meine Vorliebe zu Bäumen hat mich auf diese Spur gebracht, denn ich hab da so ein Ding mit Bäumen. Laubbäume vornehmlich.

Die Waldkiefer – der Märkische Hausbaum

Die schnöde Waldkiefer rangiert im Ranking meiner persönlichen Lieblingsbäume daher nicht so weit oben. Das liegt wohl ganz wesentlich daran, dass unsereiner überwiegend die Märkischen Kiefernarmeen gewohnt ist, die stramm in Reih und Glied gepflanzt den losen Sandboden zusammenhalten. Hier und da findet sich auch mal ein Individualist, der es trotz Planwirtschaft zu stattlicher Größe und Umfang gebracht hat. Diese Einzelkämpfer haben eine schirmartige, ungleichmäßige Krone mit knorrigen Ästen, die sich in den Himmel schrauben. Und geht die Sonne unter, dann leuchtet die dünne, papierartige Rinde der Äste wie Kupfer weithin übers Wanderjenosse-Land. In solchen Momenten bin ich mit der Kiefer versöhnt.

Märchenwald Dornswalde

Ein Häuflein Versöhnungskiefern habe ich im Fläming ausfindig gemacht. Im Märchenwald Dornswalde stehen Kiefern mit extremem Drehwuchs und so bizarr geformten Ästen, dass man glauben könnte, hier waren dunkle Mächte am Werk. Dem ist natürlich nicht so und die Erklärung folgt, sobald auch ihr ausreichend beeindruckt seid.

im Märchenwald Dornswalde

Verkrüppelte Kiefern im Märchenwald

markante Kiefern im Streuwald Dornswalde

Bizarr geformte Stämme überall

Ausgebremst

Dass die Kiefern so aus der Form geraten sind, hängt mit Störungen zusammen, die stattfanden, als die Bäume noch im Höhenwachstum begriffen waren. Das war vor etwa 150 Jahren der Fall. Normalerweise sollten sie heute bis zu  40m erreicht haben. Sie haben sich aber lediglich bis auf 12 m hochgekämpft.

Märchenwald Dornswalde

Gerade im Winter wirkt der Wald besonders märchenhaft

Intensive Waldnutzung

Anders als heute nutzte der Mensch den Wald in früheren Jahrhunderten für vielfältige Zwecke. Man schleppte nicht nur die langen Stämme heraus, um daraus Möbel zu zimmern oder diese im häuslichen Kamin gemütlichkeitstrachtend zu verheizen. Der Wald selbst war auch Produktionsstätte für Holzkohle, Pech und Pottasche; Produkte, die in Glasereien und im Schiffbau dringend benötigt wurden. Auch alles Essbare, wie Beeren und Pilze wurden aus dem Wald geholt. Und nicht zuletzt wurde jedwedes Kraut, das gegen ein Leid gewachsen war für lindernde Zwecke gepflückt.

Waldweide

Besonders die sogenannte Waldweide setze dem ursprünglichen Wald arg zu. Da trieben die ansässigen Bauern ihre Schweine, Schafe, Ziegen und was sie sonst so hielten in den Wald. Das Vieh fraß alles was es an fressbarem fand: die Krautschicht, überhängende Zweige und Blätter, Knospen und Jungwuchs. Das führte dazu, dass die jungen Bäume, solange sie noch nicht groß genug waren um auf die gefräßigen Mäuler herabzusehen, knabbernder Weise immer wieder verkrüppelt wurden oder sogar eingingen. Es entstanden lichte, teils parkartige Wälder.

Kartoffeln, Schweine und der Wald

Als die Kartoffel eingeführt wurde und die Bauern zunächst damit nichts anfangen konnten, musste erst ein Kartoffelbefehl des Alten Fritz Bewegung in die Sache bringen. Die Bauern fügten sich und bauten Kartoffeln an, verfütterten aber das „Schweinebrot“ erst mal an die Borstenviecher im Stall – Naja, was der Bauer nicht kennt…  Was hat nun aber die Kartoffel mit dem Wald zu tun? Noch kurz Geduld, geht gleich los! Nun die Schweine hatten jetzt ein nahrhaftes Futtermittel und mussten nicht mehr in dem Maaß  wie früher in den Wald getrieben werden. mancherorts verbrachten sie nun das ganze Jahr im Stall. Zudem fanden auch die Bauern irgendwann Geschmack an der Knolle und an dem Hochprotentigen, der sich daraus destilieren ließ . So wurden mehr und mehr Felder mit Kartoffeln anstelle von Getreide bestellt. Damit fehlte Stroh für die Einstreu der Ställe. Das Kartoffelkraut konnte man nicht nutzen, denn die oberirdischen Pflanzenteile sind giftig.

Streuwälder

Also zogen die Bauern vermehrt  in den Wald und rafften das abgeworfene Laub und Nadeln zusammen, um damit Ihre Ställe einzustreuen. Und jetzt kommt der entscheidende Teil. Normalerweise verrottet das abgeworfene Laub auf dem Waldboden. Der entstehende Humus düngt den Boden und sorgt dafür, dass den Bäumen ausreichend Nährstoffe für Wachstum und Vermehrung zur Verfügung stehen. Das Ganze ist ein Kreislauf aus Werden und Vergehen. Holt man nun das abgeworfene Laub permanent aus dem Wald, so verarmt der Boden über die Jahre. Den Bäumen fehlen Nährstoffe. Der Kreislauf des Waldes gerät ins Stocken. Oft tun dann noch Regen und Wind ihr Übriges auf dem nackichten Boden.

lichter Kiefernbestand im Märchenwald Dornswalde

Lichter Kiefernbestand

So oder ähnlich ist es auch dem Märchenwald Dornswalde ergangen. Durch die langjährige Nutzung des ohnehin schon armen Sandbodens als Waldweide und/oder Streuwald fristeten die Kiefern über viele Jahre verkrüppelt und unterversorgt ihr Dasein. Vor knapp 100 Jahren gab man diese beiden Nutzungsformen endgültig auf . Der Kiefernwald blieb. Für die planmäßige Forstwirtschaft taugt solch verdrehter Wald nicht viel. Daher wurden sie vielerorts durch die heute dominierenden Kiefernforste ersetzt. Der noch vorhandene Märchenwald Dornswalde lässt nicht nur Einblicke in das karge Leben früherer Generationen zu, sondern öffnet auch ein Fenster in die frühere Leidensgeschichte des Waldes.

Tipp: Tagesausflug mit Wanderung

Der Märchenwald Dornswalde  ist ein echter Geheimtipp und liegt ein wenig versteckt im Fläming. Es gibt bisher keinen ausgeschilderten Wanderweg. Um ihn zu finden, ist ein wenig Entdeckergeist von Nöten. Ich empfehle das Museumsdorf Glashütte als Ausgangspunkt, um sich von dort zu Fuß nach Dornswalde und in den Wald aufzumachen.

Historsches Glashütte im Fläming

Winterwonderland Glashütte

Der historische Glasmacherort mit seinem Ensemble aus Wohnhäusern und Gasthof ist als Kreativort bekannt. Künstler und Handwerker beleben mit ihren Manufakturen und Werkstätten das pittoreske Örtchen. Ein perfekter Ort, für einen Winterausflug mit Wanderung.

TIPP
Hier die Geodaten für den Standort des Märchenwaldes:
DG:  52.05603, 13.62033
GMS: 13°37,13.187‘ Ost    52°3,21.708‘ Nord

Start: Parkplatz Museumsdorf Glasshüte, Hüttenweg, 15837 Baruth/Mark (OT Glashütte)
Ziel: Parkplatz Museumsdorf Glasshüte, Hüttenweg, 15837 Baruth/Mark (OT Glashütte)
Rundwanderweg: ja
Länge: 10,9 km
Schwierigkeitsgrad: mittel
sonnig / schattig: 50/50

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Wanderjenosse Sandra
Sandra

Sandra

Ich bin in Brandenburg aufgewachsen und liebe die Märkische Landschaft und ihre Menschen. Ich bin Immer auf der Suche nach den schönsten und abgelegensten Winkeln zum Wandern und darüber Schreiben.

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