Die Maulbeerallee in Zernikow oder das Zeitalter der Seide in Brandenburg

SandraRuppiner Seenland, Wandern0 Kommentare

maulbeeralle zernikow

Wanderjenosse Sandra

Als der Friedrich II. in Preußen erst noch der Große werden wollte, ließ er par ordre du mufti  Millionen Maulbeerbäume von seinen Untertanen anpflanzen. Die Verschönerung der preußischen Lande hatte der Monarch dabei allerdings nicht im Sinn. Es ging ihm vielmehr darum die Seidenproduktion endlich als gewinnbringenden Wirtschaftszweig zu etablieren. Und da den widerspenstigen Seidenraupen ausschließlich die Blätter des weißen Maulbeerbaumes schmecken, musste die Mark eben botanisch aufgerüstet werden.
Dies geschah zu großen Teilen auf Preußische Staatskosten. Maulbeerbaumsamen und Eier des Seidenspinners gab es in vielen Fällen kostenlos ebenso wie finanziellen Anschub für die Seiden-Start-Ups und Preisgarantien für die spätere Rohseide. Trotz aller Anstrengung blieb der Seidenbau in Preußen ein staatlich subventioniertes Wirtschaftsprogramm, dass nach dem Tod Friedrichs 1786 nur noch von Idealisten weitergeführt wurde. Vor allem Ihnen ist es zu verdanken, dass wir heute einige, mächtige Maulbeerriesen in Brandenburg bewundern können.

Zweig Maulbeerbaum

Weisser Maulbeerbaum mit Früchten

Die Maulbeere hängt am seidenen Faden

Der weiße Maulbeerbaum selbst ist ein unauffälliger Typ, der noch zwei Verwandte hat; die rote Maulbeere und die schwarze Maulbeere. Die beiden letzten werden hauptsächlich der leckeren Früchte wegen gehegt und gepflegt. Im Gegensatz zu den eingeborenen Bäumen treibt die Maulbeere nicht nur im Frühjahr frische Blätter aus, sondern den ganzen Sommer über. Ebenso verhält es sich mit den Früchten. Sie reifen über Wochen nach und nach. Da der Maulbeerbaum ursprünglich in Europa nicht heimisch war, wurde er millionenfach auf Plantagen, entlang vieler Dorfstraßen und Alleen und auf Friedhöfen angepflanzt. Er war in Brandenburg allgegenwärtig. Heute ist er fast vergessen. Viel mehr als ein paar versprengte Überlebende haben es leider nicht, bis in unsere Zeit geschafft. Und so kommt es,  dass heute kaum noch jemand weiß wie er aussieht, geschweige denn wo die Letzten zu finden sind. Aber es gibt sie noch.

Die Maulbeerallee in Zernikow – ein Kulturschatz

Die Maulbeerallee in Zernikow ist ein wahrer Schatz. Sowohl botanisch als auch kulturell. Weit und breit gibt es keine vergleichbare, zusammenhängende Baumreihe mehr. Michael Gabriel Fredersdorff ließ 1751 Maulbeerbäume der Straße zur Zernikower Mühle  anpflanzen, nachdem er das Gut Zernikow wenige Jahre zuvor von Friedrich II. (persönlich) als Geschenk erhalten hatte. Und weil er gerade dabei war, ließ der gute Herr Fredersdorff auch gleich noch weitere Alleen von Buchen, Pappeln, Linden, Kastanien und Ulmen rund um Zernikow anlegen. Alle sind heute noch mehr oder weniger gut erhalten.

Maulbeerallee in Zernikow

Die Maulbeerallee in Zernikow

Die Maulbeerallee in Zernikow selbst besteht noch aus etwa 70 Bäumen. Neben Nachgepflanzten könnt ihr ca. 20 Baumriesen der ersten Stunde mit einem Alter von über 250 Jahren bestaunen. Der Anblick dieser uralten, knorrigen Bäume ist schon sehr besonders. Einige stehen aufrecht mit einem riesigen Stammumfang und trotzen der Zeit. Andere sind von Wind und Wetter gezeichnet, müssen gestützt werden oder haben einen gespaltenen Stamm. Sie sind der Restbestand einer längst vergangenen Kulturgeschichte dieser Region und steht unter Denkmalschutz.

weisser Maulbeerbaum an der Strasse nach Burow

Ein uralter Maulbeerbaum

 

weisser Maulbeerbaum der Maulbeerallee in Zernikow

Ein weiterer Maulbeerbaum mit Stütze

Kleines Zernikow mit großer Geschichte

Beschaulich geht es zu in Zernikow. Aber wie so oft in Brandenburg muss man genauer hinsehen, um das Besondere zu entdecken. Auf Gut Zernikow, pflegt man seit der Zeitenwende wieder seine wechselvolle Geschichte. Das Gut wurde Stück für Stück restauriert und ist als Gesamtensemble mit Herrenhaus, Inspektorenhaus,  Alte Brennerei, Stellmacherei, Schmiede und Backofen einen Besuch wert.

Haupthaus Gut Zernikow

Gut Zernikow

Caroline Fredersdorff, die Frau vom Baumpflanzer Michael Gabriel Fredersdorff, war die Oma von Achim von Arnim, (klar soweit?) dem Mitbegründers der Heidelberger Romantik.  Arnim verbrachte Jugendjahre auf Gut Zernikow und begann hier sein literarisches Werk. Im Inspektorenhaus widmet sich ihm eine Ausstellung. Bis 1945 geboten derer von Arnim über Zernikow und weitere Ortschaften und prägten den Ort und das Gut maßgeblich.
In der  interessanten Dauerausstellung Vom Maulbeerbaum zur Seide könnt ihr mehr über die aufwendige Seidenraupenzucht im 18. Jahrhundert erfahren. Und wer wissen will, wie aufregend das Leben einer lebendigen Seidenraupe ist, geht zum Maulbeerfest.

TIPP
Jedes Jahr Anfang August lädt Zernikow zum Maulbeerfest. Aktueller Termin:  03. August 2019, 13.00 Uhr, Eintritt: €2,00

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Wanderjenosse Sandra
Sandra

Sandra

Ich bin in Brandenburg aufgewachsen und liebe die Märkische Landschaft und ihre Menschen. Ich bin Immer auf der Suche nach den schönsten und abgelegensten Winkeln zum Wandern und darüber Schreiben.

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