Die Markgrafensteine in den Rauener Bergen

SandraSeenland Oder-Spree, Wandern0 Kommentare

Perspektive Markgrafenstein

Wanderjenosse Sandra

Wer die Markgrafensteine sehen will, muss durch die Rauener Berge wandern. Früher, als die Welt noch in Ordnung war, also der Größte noch der Größte war und der Kleine noch der Kleine, da war die Gegend sandig und stellenweise mit Krüppelkiefern bewachsen. Da kletterte man auf die Schöne Aussicht und überblickte das Oder-Spree-Land von Berlin bis zum Oderbruch. In der Zwischenzeit hat sich Wald breit- und vor allem hochgemacht und so ist es mit der schönen Aussicht vorbei.

Überblick verschaffen

Da hilft es auch nicht, wie noch Fontane, auf den Steinernen Tisch zu klettern. Es bedarf weitaus größerer Kletterhilfe, wie den Aussichtsturm auf dem höchsten Punkt der Rauener Berge. Auf die 153m Normalhöhennull hat man im Jahre 2011 noch 45m Aussichtsturm gesetzt. Von dessen Plattform hat man nun sogar eine ganz hervorragende Rundumsicht aufs Wanderjenosse-Land. Vorausgesetzt der Wanderer hat passendes Kleingeld für das Drehkreuz am Fuß des Turmes dabei.

Aussichtsturm

Aussichtsturm in den Rauener Bergen

Ein falscher Markgraf als Namensgeber

Nicht weit vom Turm hat die Eiszeit die beiden Markgrafensteine abgeladen; Souvenirs  aus Schweden, wie man heute weiß. Angeblich sind die Steine nach dem falschen Woldemar benannt. Man stelle sich vor: Da gibt sich einer 1348  als Markgraf Woldemar aus, den man schon 30 Jahre vorher meinte beerdigt zu haben, er wird mit der Mark Brandenburg belehnt und hält 2 Jahre lang den europäische Hochadel zum Narren. Fliegt dann auf und verbringt seinen Lebensabend wohlversorgt am Hof von Anhalt-Dessau. Die Namensgebung der beiden größten Steinbrocken in Brandenburg im Andenken an den größten Hochstapler Brandenburgs kann ja wohl nur sarkastisch gemeint sein.

Die Markgrafensteine in groß und in klein

Wie dem auch sei, da liegen Sie nun:
Der Kleine Markgrafenstein mit 447t Gewicht und
Der Große Markgrafenstein mit  221t Gewicht

Moment, da stimmt doch was nicht! Wie kann denn der Kleine der Größte sein? Haben sich die Brandenburger neben der Namensgebung auch in Bezug auf die Größe einen Scherz erlaubt?

Kleiner Markgrafenstein

Der Kleine Markgrafenstein in den Rauener Bergen – 447t Gewicht

 

Grosser Markgrafenstein

und der Grosse Markgrafenstein – 221t Gewicht

Nein, Schuld ist in diesem Fall ein geltungssüchtiger Preußenkönig. Da hat sich nämlich 1826 ein englischer Gesandter, mit Adelstitel versteht sich, eine Steinschale mit 1,83 m Durchmesser von Steinmetz Christian Gottlieb Cantian machen lassen. Derartiges war gerade groß in Mode. Friedrich Wilhelm III. von Preußen was not amused. Es konnte natürlich nicht sein, daß ein Preußischer Steinmetz, die größte aus Stein gefertigte Schale nach England lieferte. Das größte Ding mußte schon dem Preußischen König gehören!
Und so orderte er bei Cantian eine Schale, die größer sein sollte. Cantian sicherte dies dem König zu und entschied, den größeren der beiden Markgrafensteine dafür zu nutzen. Der Stein war damals mit etwa 750t Gewicht für diesen Zweck wohl geeignet. Schon 1827 wurde der Rohling für die Schale abgespalten. Cantian prognostizierte daraufhin dem König eine Schale von 6,90 m Durchmesser. Die Größe schien dem König offenbar angemessen und so befahl er die Fertigstellung. Das Brusttrommeln des Königs führte dazu, daß sich der Ästhet Schinkel, der gerade das Alte Museum baute, verzweifelt die Haare raufte. Die Steinschale sollte nämlich in der Rotunde des Museums platziert werden. Wegen der Riesenhaftigkeit paßte sie dort aber nicht mehr hin. Nach langem hin und her ließ Schinkel das Monstrum vor dem Museum Platz nehmen.
In den Rauener Bergen blieb ein eigentümlich verstümmelter Stein übrig. So kann es kommen, dass man als Kleiner plötzlich der Größte im ganzen Land ist.

TIPP
Weite Abschläge vom Großen Markgrafenstein nutze man, um auf der Schöne Aussicht den Steinernen Tisch nebst Bänken zu fertigen. Dort lässt sich geschichtsträchtig Pause machen.

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Start: Parkplatz, Zum Seebad, 15526 Petersdorf
Ziel: Parkplatz, Zum Seebad, 15526 Petersdorf
Rundwanderweg: ja
Länge: 9 km
Schwierigkeitsgrad: leicht
überwiegend schattig

Quelle:
– Wikipedia
– Theodor Fontane, “Wanderungen durch die Mark Brandenburg”, 4.Teil: “Spreeland”, Rauen und die Markgrafensteine

 

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Wanderjenosse Sandra
Sandra

Sandra

Ich bin in Brandenburg aufgewachsen und liebe die Märkische Landschaft und ihre Menschen. Ich bin Immer auf der Suche nach den schönsten und abgelegensten Winkeln zum Wandern und darüber Schreiben.

 

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