Wandern am Bollwinfließ – ein echter Geheimtipp

SandraUckermark, Wandern2 Kommentare

bollwinfliess

Wanderjenosse Sandra

Auf einer Fachexkursion mit der Naturwacht des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin habe ich das kleine Naturparadies Bollwinfließ entdeckt. Durch die abgelegene Landschaft schlängelt sich das naturbelassene Flüsschen durch ein schmales, flaches Tal. Seit der Eiszeit ist die Gegend vom Wasser geprägt und so konnte sich eine vielfältige und kleinteilige Landschaft entwickeln. Die intensive Entwässerungstätigkeit der Vorwendezeit hat diesem Feuchtgebiet nicht so stark geschadet, wie andernorts, vielleicht auch deshalb, weil ein anarchisch veranlagter Förster zu Beginn der 70iger Jahre heimlich Elbebiber hier ausgesetzt hat. Die illegalen wasserbaulichen Maßnahmen der Biber führten dazu, dass das Gebiet Ende der 70iger als ganz legales Biberschutzgebiet ausgewiesen wurde. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass das Fließ zwischen Bollwinsee und Polsensee heute eines der besterhaltenen Durchströmungsmoore Brandenburgs ist. Beim Durchwandern dieses Naturschutzgebietes wechseln sich Erlenbruchwälder mit Schilf-Röhrichten ab. Extensiv bewirtschaftete Wiesen mit Mischwäldern in denen versteckte, kleine Seen auf den naturenthusiastischen Wanderer warten.

Und los !

Der perfekte Ausgangspunkt für eine Rundwanderung ist das Gut Gollin. Nicht nur in Bezug auf Parkmöglichkeit auf dem Hof und Bushaltestelle vor der Haustür, sondern auch als Enkehrmöglichkeit für den wandermüden Besucher. Unser Trupp der Natur- und Landschaftsführer setzt sich an der Landstraße gegenüber des Gut Gollin in Bewegung und trabt zuerst an Feld- und Wiesenrändern entlang. Auffällig sind die teilweise völlig gelb verfärbten Äste der Bäume. Es handelt es sich um Flechten (wahrscheinlich die Gewöhnliche Gelbflechte), die sich großzügig angesiedelt hat. So ganz ohne Blätter hat der Gelbstich der Landschaft schon seinen besonderen Reiz.

Flechte am Baum

Gelbe Flechten überall

Wilde Wasserwelt Bollwinfließ

Etwas später passieren wir das Bollwinfließ. Hier sieht man eine der beiden Sohlgleiten, die gebaut worden sind, um die Fließgeschwindigkeit des Wassers zu regulieren. Der Abfluss des Wassers aus dem Gebiet oberhalb soll verlangsamt werden. Damit entsteht ein Staueffekt, der dafür sorgt, dass z.B. bestehende Erlenbruchwälder nicht dauerhaft trockenfallen und trockengelegte Moorbereiche wieder vernässen. Übrigens hatte der Biber vor dem Bau der Sohlgleite bereits die gleiche Idee. Er hat immer wieder einen Damm gebaut, um das Wasser zu stauen. Der Qualitätsdamm war jedoch derart gut ausgeführt, dass er den Abfluss völlig verschloss und Überschwemmung drohte. Nun bleibt abzuwarten, ob der Wasserstand dem Biber dauerhaft genehm ist. Ein paar hundert Meter weiter sieht man gut, was das Ganze bringen soll. Der Weg führt kurz vor Dargersdorf entlang eines Erlenbruchwaldes, der jetzt im März nasse Füße hat.

Sohlgleite im NSG Bollwinwiesen

Sohlgleite zur Wasserrückhaltung

überschwemmter Erlenbruch

Erlenbruchwald im Bollwintal

Ungelöstheiten in Dargersdorf

Ich erfahre, dass dies in früheren Zeiten der Gutspark von  Dargersdorf war. Von gepflegtem Park ist nichts mehr zu erahnen. Nur ein einsamer, alter Gingkobaum am Wegesrand zeugt mit seinem aufrechten Wuchs von vergangener, gartenpflegerischer Aufmerksamkeit. Die schmucke Fachwerkkirche in Dargersdorf steht seit 1749 pittoresk von Linden umstanden auf einem Hügelchen. Hier schlummern für Wanderjenosse Sandra noch Geschichten, die ans Licht gezerrt und erzählt werden wollen.

historische Fachwerkkirsche Dargersdorf

Fachwerkkirche in Dargersdorf von 1749

Natur pur im Uckermärkischen Outback

Am Ende des Ortes geht der Weg langsam wieder in die uckermärkische Landschaft über. Feuchtwiesen und kleine Waldstücke wechseln sich ab und lassen rechter Hand hinter mannshohem Röhricht das Bollwinfließ erahnen. Ein Seeadler schwingt sich von seiner Sitzwarte, einer abgestorbenen Birke, auf. Was für ein Anblick, wenn er die riesigen Schwingen weit nach unten und nach oben durchschlägt, um Höhe zu gewinnen. Ein zweiter Adler kommt dazu und sie kreisen eine Weile am Himmel, bis sie sich davon machen. Heute ist der Tag auf meiner Seite. Dann führt der Feldweg schnurgerade über eine Weide. Im Sommer stehen hier Rinder, füllen sich Ihre vier Mägen mit Grünzeug und warten auf Bespassung durch vorbeiziehende Wanderer. Aber jetzt,  in der farblosen Zwischenjahreszeit, sind die Weiden unberindert. Dafür kann man sehr gut sehen, was passiert, wenn ein Moor jahrzehntelang entwässert wird. Vom Weg aus schaut man regelrecht in die Tiefe. Bei der Entwässerung sinkt der Grundwasserspiegel. Damit fällt die oberste Torfschicht trocken, und kommt mit dem Sauerstoff der Luft in Kontakt. Somit kann die Zersetzung  des organischen Pflanzenmaterials in rasendem Tempo beginnen. Dies führt zum Abbau von Material und zu Volumenverlust. Der Boden senkt sich Stück für Stück ab. Es bilden sich regelrechte Senken mit einer gut zu erkennenden Randkante. Diese Kante zeigt in etwa das ursprüngliche Niveau des Moorbodens vor ca. 60 Jahren. Jeder verlorene Höhenmeter Boden steht für etwa 1000 Jahre Torfentstehung.

Blick auf das Bollwinfliess

Bollwinfliess mit Blick in Richtung Bollwinsee

Etwas weiter führt der Weg nun abwärts durch Wald in das Tal des Bollwinfließes. Wir überqueren eine wacklige, alte Holzbücke und lassen uns vom wilden Charme des kleinen Tals verzaubern. Die Natur ist imVorfrühling noch nicht erwacht und so ist von Eisvogel, Fröschen, Kröten und Schmetterlingen  noch nichts zu sehen. Auf der anderen Seite steigen wir wieder hinauf und wandern nun durch den Wald, vorbei am eingebetteten Giersee, Kleiner Holzsee und großer Holzsee bis zum Ausgangspunkt zurück.

TIPP
Im Hofcafé auf Gut Gollin lässt es sich nach der Runde bei Kaffee und Kuchen gut ausruhen. Im Hofladen werden hochwertige hofeigene und regionale Produkte angeboten.

Start: Gut Gollin, Gut Gollin 1, 17268 Templin
Ziel: Gut Gollin, Gut Gollin 1, 17268 Templin
Rundwanderweg: ja
Länge: 6,8 km
Schwierigkeitsgrad: leicht
halb schattig/ halb sonnig

Quellen:
– Manfred Feder, „Wandern in der Schorfheide“ Touren durch eine ungewöhnliche Landschaft, Trescher Verlag, 2. Auflage, 2005
– Managementplanung Natura 2000 für FFH-gebiet Nr. 121, Bollwinwiesen/Großer Gollinsee
– http://www.kalkmoore.de/projektgebiete/bollwintal.html

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Wanderjenosse Sandra
Sandra

Sandra

Ich bin in Brandenburg aufgewachsen und liebe die Märkische Landschaft und ihre Menschen. Ich bin Immer auf der Suche nach den schönsten und abgelegensten Winkeln zum Wandern und darüber Schreiben.

2 Kommentare “Wandern am Bollwinfließ – ein echter Geheimtipp”

  1. Avatar

    Sind heute als 3 Wanderschnecken dem Geheimtipp am Bollwinfließ entlang gefolgt und können diese Wanderung nur jedem empfehlen. Hatten das Glück im Erlenurwald unterwegs nach Dargersdorf ein Meer aus gelbblühenden Lilien zu bestaunen. Einfach schön. Mückenschutz sollte man für jedoch im Rucksack haben. Danke für die Empfehlung und fohes Weiterwandern.

    1. Sandra

      Liebe Petra,
      das freut mich wirklich sehr, dass Euch die Tour gefallen hat! Ich bin auch gern im Mai und Juni unterwegs, wenn es überall blüht und das frische Grün sich voll entfalltet.
      Viele Grüsse Sandra

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