Der Flämingermittler

SandraFläming, Land & Leute, Wandern2 Kommentare

vereister Weg im Fläming

Wanderjenosse Sandra

Kaum haben wir die Häuser von Medewitz hinter uns gelassen, beginnt es heftig zu schneien. Wir kämpfen uns am windgepeitschten Waldrand entlang, als uns ein Mann entgegenkommt, der sich langsam aus dem Schneegestöber schält. Er hat zwei Dackelchen dabei, die uns schon längst aufgeregt entgegeneilen um uns lautstark zu begrüßen. Sie sind hier Gegenverkehr offenkundig nicht gewohnt.Der Mann hat, meiner Schätzung nach, seinen hektischen Berufsalltag schon hinter sich gelassen und fühlt sich bemüßigt, uns wegen der aufgeregten Hunde Mut zuzusprechen.
„Keene Angst, die tun nichts.“
Er kann ja nicht wissen, dass wir als Hundefreunde den Zirkus seines Waldis nebst Waldine eher belustigt zur Kenntnis nehmen. Wir versichern ihm, dass wir mit Nichten Angst haben und schon sind wir im Gespräch über Hunde und das Wetter. Mit Blick auf unsere Wandervollausstattung kommt schnell die Frage auf, wo wir denn hinwollen.

Wald im Fläming

Unterwegs im Fläming

Wolfs Revier

Wir berichten also, dass wir wandern und uns heute die Strecke bis nach Wiesenburg vorgenommen haben. Ich blicke in ein erstauntes Gesicht, denn der gute Mann aus der Gegend weiß, dass es etwa zehn Kilometer durch den Wald bis Wiesenburg sind.
„Dann passt auf die Wölfe auf, ist alles Wolfsgebiet hier!“
Ist die Warnung ernst gemeint oder will der gewiefte Einheimische uns Sonntagsausflüglern nur Angst einjagen?
„Ach“, sage ich, „die hauen doch ab, wenn sie Menschen wittern“.
Der Dackelmann wackelt bedenklich mit dem Kopf hin und her und erwidert: „ Ja, noch.“
Und dann fängt er an aus dem Jägerkästchen zu plaudern, denn er ist passionierter Jägersmann. Neulich erst ist ein Wolf so dicht an den Nachbarort gekommen, dass  zwei Frauen am Dorfrand ihn mit Stöckern vertreiben mussten. Auf solch ein naturnahes Erlebnis würde ich gerne verzichten, denn Lea und ich sind heute ohne den Schutz des Silberrückens unterwegs.
Er erzählt weiter, dass ihm die Wölfe nach und nach das Damwild aus seinem Gehege geholt haben. Das Damwild ist leichte Beute, denn es wehrt sich kaum. Ganz anders als die Wildschweine. Um die wehrhaften Rotten macht der Wolf lieber einen Bogen. Oft genug finden sich Wölfe in seinen Fotofallen, die er in der Nähe des Ortes im Wald angebracht hat. Die Damwildhaltung hat er zwischenzeitlich aufgegeben, denn profitiert hätte davon nur der Wolf. Viel Wildbret zum Verkauf hat er nicht übrig gelassen.  Alles in Allem ist der Jäger und Landbesitzer auf Isegrim nicht gut zu sprechen und auf die Naturschützer noch viel weniger. Was uns der Wolf nach so langer Abwesenheit in Brandenburg bringen soll, fragt er sich. In anderen Gegenden gibt es ja auch keine.

Wanderweg im Fläming

Vereister Weg im Fläming

Menschen Revier

Ich könnte ihm antworten, dass die Abwesenheit des Wolfes seit gerade einmal 150 Jahren damit zusammenhängt, dass wir unseren Anspruch auf Weltherrschaft rigoros durchgesetzt haben. Und, dass in heutigen, aufgeklärteren Zeiten das Handeln der Altvorderen gerne in Frage gestellt werden darf. Oder, dass vor der Ausbreitung des Menschen mit seiner Land- und Weidewirtschaft der Wolf in ganz Europa, Asien und Nordamerika verbreitet war, er somit naturgemäß  zu dieser Landschaft dazugehört. Wir schlauen Primaten könnten mit ein bisschen Willen, dem Wolf sicher Platz zum Leben einräumen. Ich halte mich mit meiner Meinung jedoch lieber zurück, denn erstens möchte ich unsere nette Plauderei nicht abwürgen und zweitens bin ich mit den praktischen Sorgen und Nöten von Bauern und Landbesitzern in Bezug auf den Wolf nicht ausreichend vertraut.
So wechselt das Thema wieder auf uns Wanderer und was wir sonst so treiben, wenn wir nicht gerade im Schneegestöber über Land laufen. Dabei stellt sich heraus, dass wir vor 30 Jahren in derselben Gegend zu tun hatten. Ich als Schüler, er als Ermittler der Kriminalpolizei. Ha, die Welt ist klein, selbst für uns Menschen. Wir müssen tüchtig Rede und Antwort stehen, zu Dingen, die sich so in Berlin ereignen, in unserem Familienkreise und Leas Zukunftspläne. Wir hören auch noch Einiges aus dem Kripokästchen, und von den lieben Enkelchen. Dann mahne ich zum Aufbruch, denn nach einer dreiviertel Stunde im Wind kriecht die Kälte nun doch die Hose hoch und wir wollen doch den Regio in Wiesenburg nicht verpassen.
Wir verabschieden uns und ich bin mir sicher, dass der Flämingermittler mittels Fotofalle noch ein Erinnerungsfoto von uns behält.

HIER geht`s zur ganzen Tourvon Medewitz nach Wiesenburg!

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Wanderjenosse Sandra
Sandra

Sandra

Ich bin in Brandenburg aufgewachsen und liebe die Märkische Landschaft und ihre Menschen. Ich bin Immer auf der Suche nach den schönsten und abgelegensten Winkeln zum Wandern und darüber Schreiben.

2 Kommentare “Der Flämingermittler”

  1. Zum Thema Wolf kann ich unbedingt das Buch “Der Wolf kehrt zurück” von Günther Bloch und Elli Radinger empfehlen (Kosmos). Dort wird sehr fachkundig auch auf das “Jägerlatein” eingegangen.
    Liebe Grüße
    MR

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