Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin

SandraUckermark, Wandern0 Kommentare

Buchenwald Grumsin

Wanderjenosse Sandra

Die Nacht war kurz, es ist noch dunkel. Dennoch sind alle hellwach und gespannt auf die geführte Wanderung durch das UNESCO Weltnaturerbe Buchenwald Grumsin. Der Grumsin ist, neben wenigen anderen begrenzten Gebieten, einer der letzten ursprünglichen Buchenwälder in Europa. Der Naturführer Roland Schulz begrüßt uns trotz der frühen Stunde gut gelaunt und voller Elan. Er ist mit der Gegend verwachsen und kennt Geschichte und Geschichten dieses Landstrichs wie kein Zweiter.
Wir lassen das noch schlafenden Altkünkendorf hinter uns, und wandern an Wiesen und Feldern entlang in Richtung Buchenwald. Noch hoffen alle auf tolle Fotos vom Sonnenaufgang über der Uckermark. Daraus wird leider nichts werden, denn der Morgen ist bewölkt und nebelverhangen. Wir kommen am Louisenhof vorbei. Früher ein Ausbaugehöft, in dem Zugtiere untergebracht waren, damit sie es bis zur Arbeit auf den Feldern nicht so weit hatten; heute das Atelier und Galerie von Annette Tucholke und Christian Bonnet. Hier entstehen moderne Kunstobjekte. Für wandermüde Besucher gibt es ein kleines Café.

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Galerie und Atelier Louisenhof

Grumsiner Geschichten

Für uns geht es weiter auf dem alten gepflasterten Feldweg bis wir den Wald erreichen. Roland Schulz macht uns auf einen kleinen, mit niedrigen Bäumen bewachsenen Hügel aufmerksam. Ein Hügelgrab, ca. 3000 Jahre alt. In der Gegend gibt es einige davon. Für den Unkundigen sind sie kaum als solche zu erkennen. Archäologen hingegen sitzen schon länger in den Startlöchern, allein das Geld fehlt.

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Ein Hügelgrab – kaum zu erkennen

Herr Schulz bietet uns am Wegrand ein zweites Frühstück an; Brennnesselsamen und andere Leckereien. Da greifen wir alle gerne zu und probieren bis er zu dem Teil seiner Ausführungen kommt, in dem es um die  aphrodisierende Wirkung der Samen geht. Ich entscheide spontan, dass Wanderjenosse Lea nun genug probiert hat.
Tiere machen sich rar an diesem Morgen. Einzig ein Reh flüchtet erschreckt von der naheliegenden Wiese in den Wald. Wir Instagramer sind zu laut für die stille Uckermark. Dafür hören wir die Geschichte von den wilden Rindern, die in einer Gewitternacht 1999 von ihrer Weide entkamen. Ein umgestürzter Baum zerstörte den Weidezaun und die Tiere nutzen ihre Chance. Mehrere Jahre lebten Sie frei im Grumsin, immer auf der Hut vor den Menschen, die sie erfolglos wieder einzufangen versuchten. Sie avancierten zu einem willkommenen Studienobjekt für Naturschützer  und -beobachter, da sie in kürzester Zeit ihr domestiziertes Verhalten ablegten und wieder zu scheuen Wildtieren wurden. Doch dann war Schluss mit dem Leben in Freiheit. Die Schäden am Getreide und die Angst vor Zusammenstößen mit dem Autoverkehr waren zu groß. Die wilden Rinder wurden abgeschossen.

Wald der Stille

So unterhalten, erreichen wir den Grumsin. Märchenhaft vernebelt erscheinen die hohen Stämme der Buchen. Es ist still, kein Lüftchen regt sich und ich wäre nicht erstaunt, wenn Kobolde und Feen dem Nebel entsteigen würden.

Weltnaturerbe_Grumsin

Märchenhaft vernebelter Grumsin

Dass die alten Wälder für die Altvorderen eine mystische Bedeutung hatten, verstehe ich angesichts dieses Buchenwaldes. Mich beschleicht inmitten dieses imposanten Hallenwaldes ein bisschen Demut vor der Größe der Natur. Wir beschließen einfach dreißig Sekunden nur stillzustehen und zu lauschen. Als wir still sind, kann der Wald plötzlich laut sein. Wir hören die Blätter in den Kronen rascheln, Äste knacken und ein Kleiber klopft sein Frühstück aus einem Baum.

Buckow-See Weltnaturerbe Grumsin

einsamer Buckow-See

Wir erfahren noch viel über den Grumsin an diesem Morgen. Über seine Entstehung, über den Kampf der Bäume um die besten Plätze am Licht, über seltene Pflanzen an Orten im Wald, die niemand betreten darf und von in Moorlöchern eingesunkenen Photographen, die sich nicht an das Verbot gehalten haben. Da gehen wir doch schnell wieder auf den Weg zurück. Am einsamen und vernebelten Buckow-See entdecken wir dann doch noch einen Bewohner des Grumsins. Ein Moorfrosch. Während der Balz im Frühling nehmen die Männchen eine intensive blaue Färbung an. Den Rest des Jahres versucht er nicht aufzufallen und hockt nun gut getarnt im Herbstlaub.

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Nicht auffallen im Grumsin

Nach drei Stunden Wanderung erreichen wir den Waldrand und bald darauf hebt sich Altkünkendorf aus dem schwindenden Nebel. Und als die Sonne endlich die Überhand gewinnt, lassen wir unser instameet_uckermark im Schullandheim in einer gemütlichen Mittagsgrillrunde ausklingen.

Vielen Dank für das tolle Wochenende:
tmu Tourismus Marketing Uckermark GmbH
UCKERMARK magazin
Schullandheim Altkünkendorf
Grumsiner Brennerei
Roland Schulz

und natürlich auch an:
augenbl.icke
becherschuh
frolleinreh
herr.winkler
jens_scheider
ma.kue
mariothielofficial
rudelbildung
ryanm
stevenritzer
weimaraner.murphy

Streckeninfo

Buchenwald Grumsin in Bildern

 

Quelle: http://www.nature-press.de/texte/grumsin-wildekuehe.html

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Wanderjenosse Sandra
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Sandra

Ich bin in Brandenburg aufgewachsen und liebe die Märkische Landschaft und ihre Menschen. Ich bin Immer auf der Suche nach den schönsten und abgelegensten Winkeln zum Wandern und darüber Schreiben.

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